Warte! … Beeil dich!

Wie oft bekommen Kinder widersprüchliche Anweisungen bezüglich ihres Tempos zu hören? Sicher, wir Erwachsenen haben es auch nicht leicht mit unserem Zeitmanagement, das immer häufiger Beruf und Haushalt unter einen Hut bringen soll, vielleicht auch noch alleinerziehend. Dann sind da noch Sportverein, Nachhilfe, Ballett und Hausübung zu erledigen. Gehen sich zwischendurch Friseur und Lebensmitteleinkauf aus? Kommt darauf an, wie sehr sich die Kinder unserer minutiös geplanten Zeiteinteilung unterordnen oder nicht. Ist letzteres der Fall, können die Nerven schon beim Frühstück blank liegen. Der Schulbus wartet nicht, während klein Max oder Lisa endlos an ihren Schuhbändern herumknüpfen.

Täglich versuchen wir Eltern, unseren Kindern jenen Umgang mit der Zeit einzutrichtern, der sie befähigt, mit unserer gestressten Gesellschaft Schritt zu halten. Und doch gibt der berühmte englische Kinderpsychiater Donald Winnicott schon vor Jahrzehnten zu bedenken, dass es für Kinder und Jugendliche nur einen einzigen Weg zur Reife gibt: den natürlichen Fluss der Zeit. Kinder können nicht gesund aufwachsen, wenn sie sich nicht genügend Zeit nehmen dürfen, ihren Träumen nachzugehen, ihre Talente zu entdecken, zu spielen, zu experimentieren, nach der Richtung ihres Lebens zu suchen. Wie in der Musik braucht es dabei ganz individuelle Rhythmen, Tempi und auch die Pausen. Sollte sich bei Ihrem Kind dann und wann die unausweichliche Langeweile einstellen, machen Sie nicht schnell einen Vorschlag! Warten Sie!

erschienen in „klein & stark“, 2014 Nr. 3

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Hauptsache, gesund!

MÄDCHEN UND BUBEN IN DER GEHIRNFORSCHUNG

„Wird es ein Bub oder ein Mädchen?“ Das ist vermutlich die häufigste Frage, die einer werdenden Mutter gestellt wird. Warum interessiert uns das Geschlecht eines Kindes so stark? Und warum befriedigt uns die Antwort „Hauptsache, gesund!“ so wenig?

erschienen in: klein&stark, 2014 Nr. 1, Seite 26-29.

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Fantastisch – Wie Kinder die Welt sehen und erleben

Jean Piaget, der 1980 verstorbene Fachmann für Entwicklungspsychologie, hielt die sprudelnde Fantasie der Kinder für eine Fehlanpassung, die sich im Erwachsenenalter von selbst repariere. Heute wissen wir, dass Kinder nicht aus Unreife fantasieren. Die Fantasie gilt in der psychologischen Fachwelt als das wichtigste Werkzeug zur Weltaneignung und als jene Kraft, die uns erst zu Menschen macht. Sie ist eine kostbare Gabe, die sich von Jahr zu Jahr verfeinert und uns – hoffentlich – ein Leben lang begleitet.

Eine Reportage von Rudolf Liedl, erschienen in: Miteinander für die Kinder, 2012 Nr. 4, Seite 34ff.

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Das Sandspiel in der Gestalttherapie mit Kindern und Jugendlichen

in: Heide Anger / Thomas Schön (Hg.), Gestalttherapie mit Kindern und Jugendlichen, Verlag EHP (Edition Humanistische Psychologie) 2012,
Seite 433-474.

Das therapeutische Sandspiel wurde von der englischen Kinderärztin Margaret Lowenfeld begründet und hat durch Dora Kalff, einer Mitarbeiterin von C. G. Jung, weite Verbreitung und Anerkennung gefunden. Sie stellte fest, dass das Gestalten von Sandbildern der gestaltenden Person Kontakt zum Unbewussten verschafft und vorsprachliche Erfahrungen mitzuteilen vermag. Dadurch würden die heilenden und regenerativen Kräfte des Unbewussten aktiviert und blockierte Energien gelöst.

Es hat sich gezeigt, dass das Formen von Bildern im Sand nicht nur hilfreich ist, um einen Ausdruck zu finden für Verzweiflung, Verlust oder Trauma. Es unterstützt auch die Reorganisation von inneren Energien, hilft Zerbrochenes neu zu verbinden und Wunden zu heilen.

Inzwischen hat die Methode Eingang in verschiedene Therapieschulen gefunden und besonders in der Arbeit mit Kindern einen hohen Stellenwert erlangt. Der Autor Rudolf Liedl beschreibt die Elemente des therapeutischen Sandspiels, zeichnet die historische Entwicklung dieser Technik nach und streicht das Besondere im Vergleich mit anderen therapeutischen Techniken heraus. Ein eigener Abschnitt widmet sich der Frage, mit welchen Motiven ein Gestalttherapeut das Sandspiel einsetzen kann, und leitet davon wichtige therapeutischen Grundhaltungen und Interventionsmöglichkeiten ab. Ein Fallbeispiel und Literaturhinweise schließen das Kapitel ab.

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Seas, wi gez?

Zur Handykompetenz von Kindern und Jugendlichen, in: Miteinander für die Kinder, 2011 Nr. 3

Das Handy ist jenes Computermedium, das unter Kindern und Jugendlichen die bislang größte Verbreitung gefunden hat. Ab einem Alter von zehn Jahren findet man kaum mehr jemanden, der kein Handy besitzt. Dabei lässt sich kein geschlechtsspezifischer Unterschied ausmachen: Mädchen benutzen das Handy im Großen und Ganzen genau so wie Buben, und auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bildungsschicht spielt wenig Rolle. In Hauptschulen ist das Handy zum Teil sogar populärer als in Gymnasien.
So selbstverständlich die Verbreitung des Handys geworden ist, der Umgang damit ist in vielen Familien ein Thema, das unterschiedliche Fragen aufwirft. Ich habe im vorliegenden Artikel zusammengefasst, wie Kinder und Jugendliche heute das Mobiltelefon nutzen, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind und wie Eltern damit umgehen können.

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Autorität durch Beziehung

Coaching für Eltern und Lehrer von Kindern mit Verhaltensproblemen, in: Miteinander für die Kinder, 2011 Nr. 2

Wer kennt sie nicht, die Klagen darüber, dass Kinder und Jugendliche ihre Eltern und Lehrer nicht mehr als Autoritäten anerkennen, ihnen nicht mehr selbstverständlich gehorchen. Früher sei das anders gewesen. Und es mangelt nicht an Versuchen, die verloren gegangenen Autoritätsverhältnisse in der häuslichen Erziehung oder im schulischen Unterricht wieder herzustellen. Mit wenig Erfolg. Wir können angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen nicht mehr zurück in frühere Verhältnisse. Konsequent hat der israelische Psychologe Haim Omer an der Universität in Tel Aviv ein Konzept entwickelt und Eltern wie Lehrer darin geschult, eine neue Form von Autorität zu erlangen, die aus der Ohnmacht herausführt und die Beziehung zu den Kindern stärkt.

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Die Rettung der Ehebrecherin

Eine biblische Parallele zum therapeutischen Sandspiel, in: Sandspiel-Therapie. Zeitschrift für Wissenschaft und Praxis einer Heilmethode, Heft 25 Stuttgart 2008 71-75.

Der biblische Text von der Rettung der Ehebrecherin im Johannesevangelium wird theologisch unterschiedlich interpretiert. Besonders das Verhalten Jesu, der sich niederbeugt und mit dem Finger auf den Boden schreibt, ist weitgehend ungeklärt. Wenn ich die Szene aus der Sicht eines Psychotherapeuten betrachte, fällt mir eine bemerkenswerte Parallele zum therapeutischen Sandspiel auf. Jesus verlässt die bewusste Ebene der kognitiven Kommunikation und begibt sich auf eine tiefere Ebene mit unbewussten Inhalten, Stimmungen und Gefühlen. Indem er mit seinen Händen den sandigen Boden berührt, findet er eine Lösung für die kritische Situation. Im Kontakt mit der Erde sammelt er sich selbst, ordnet seine Gedanken, findet zu seiner Stärke, zu sich selbst, und spricht die rettenden Worte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie.“

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