Warte! … Beeil dich!

Wie oft bekommen Kinder widersprüchliche Anweisungen bezüglich ihres Tempos zu hören? Sicher, wir Erwachsenen haben es auch nicht leicht mit unserem Zeitmanagement, das immer häufiger Beruf und Haushalt unter einen Hut bringen soll, vielleicht auch noch alleinerziehend. Dann sind da noch Sportverein, Nachhilfe, Ballett und Hausübung zu erledigen. Gehen sich zwischendurch Friseur und Lebensmitteleinkauf aus? Kommt darauf an, wie sehr sich die Kinder unserer minutiös geplanten Zeiteinteilung unterordnen oder nicht. Ist letzteres der Fall, können die Nerven schon beim Frühstück blank liegen. Der Schulbus wartet nicht, während klein Max oder Lisa endlos an ihren Schuhbändern herumknüpfen.

Täglich versuchen wir Eltern, unseren Kindern jenen Umgang mit der Zeit einzutrichtern, der sie befähigt, mit unserer gestressten Gesellschaft Schritt zu halten. Und doch gibt der berühmte englische Kinderpsychiater Donald Winnicott schon vor Jahrzehnten zu bedenken, dass es für Kinder und Jugendliche nur einen einzigen Weg zur Reife gibt: den natürlichen Fluss der Zeit. Kinder können nicht gesund aufwachsen, wenn sie sich nicht genügend Zeit nehmen dürfen, ihren Träumen nachzugehen, ihre Talente zu entdecken, zu spielen, zu experimentieren, nach der Richtung ihres Lebens zu suchen. Wie in der Musik braucht es dabei ganz individuelle Rhythmen, Tempi und auch die Pausen. Sollte sich bei Ihrem Kind dann und wann die unausweichliche Langeweile einstellen, machen Sie nicht schnell einen Vorschlag! Warten Sie!

erschienen in „klein & stark“, 2014 Nr. 3

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